Familien zu Hause

Zusammenhalt
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Die Coronakrise mit ihrem gebotenen Rückzug stellt insbesondere Familien vor besondere Herausforderungen. Kindergärten und Schulen sind geschlossen und der Alltag beschränkt sich für die meiste Zeit auf den kleinen Bereich der eigenen vier Wände.

Der Oberbergische Kreis gibt Ihnen einige Hinweise wie Sie mit Ihren Kindern möglichst gut durch die aktuelle Situation kommen und hat auch einige Beschäftigungsideen für Kinder zusammengestellt.

 

Alltagsstruktur schaffen

Halten Sie, wenn irgend möglich an einer Alltags- und Wochenstruktur fest. Dazu gehören geregelte Aufsteh- und Schlafenszeiten, gemeinsame Mahlzeiten zu etwa gleichen Zeiten, kleine Rituale (zum Beispiel beim Zubettbringen) und gute Gewohnheiten (Telefonate mit Freunden oder Großeltern, Vorlesen, Kuscheln, Beten...). Dies vermittelt Ihren Kindern Sicherheit und gibt ihnen Halt.
 

Geht es den Eltern gut, profitieren die Kinder

Sorgen Sie dafür, dass es Ihnen als Eltern so gut wie irgend möglich geht: Schaffen Sie sich kleine Inseln der Erholung. Wenn Sie in Partnerschaft leben, wechseln Sie sich ab und gönnen Sie sich gegenseitig Auszeiten. Schaffen Sie abends Zeiträume, wo sie Zeit für sich als Paar haben.

Wenn Sie alleinerziehend sind, stehen Sie vor einer besonderen Herausforderung. Eine Ruhezeit in der Mittagspause stellt möglicherweise eine Auszeit dar. Scheuen Sie sich auch nicht abends eine klare Zubettgehzeit einzuhalten, so dass Sie wenigstens abends eine kinderfreie Zeit genießen können. Wenn Sie wohlwollend aber entschieden und klar Ihre Wünsche durchsetzen, werden die Kinder Ihren Wunsch nach Erholung respektieren lernen.

Nur ausgeruhte und entspannte Eltern können den anspruchsvollen Alltag mit den Kindern bewältigen. Dazu gehört auch ein erholsamer Schlaf, möglichst ohne Kinder im Elternbett.
 

Kinder nehmen die Stimmung der Eltern auf

Kinder erfassen intuitiv mit ihren feinen Antennen die Gefühlslage ihrer Eltern. Achten Sie darauf, welche Stimmung Sie gegenüber Ihren Kindern transportieren. Schauen Sie auf sich aus der Perspektive Ihres Kindes und fragen Sie sich: Auf welche Mutter, auf welchen Vater blickt mein Kind und was nimmt es vermutlich an mir vorrangig wahr?

Sicherlich dürfen Kindern miterleben, dass die Eltern auch mal sorgenvoll sind. Dennoch ist es sinnvoll, sie nicht an allen Gedanken und Gesprächen von Erwachsenen teilhaben zu lassen. Kinder haben ein Recht auf Schutz vor Überflutung durch Informationen aus der Erwachsenenwelt. Dazu gehört, sie nicht an jedem Telefonat oder Gespräch teilhaben zu lassen, das man unter Erwachsenen führt. Dazu gehört auch der Schutz vor Bildern aus Internet oder Fernsehen. Schalten Sie Nachrichten erst dann ein, wenn die Kinder nicht zuschauen. Für die Kinder ab Schuleintritt bis zum Alter von etwa 12 Jahren stehen eigene Nachrichten wie zum Beispiel Logo auf Kika, dem Kinderkanal von ZDF und ARD  zu Verfügung.
 

Kinder stellen Fragen

Viele Eltern fragen sich, was sie den Kindern erzählen dürfen bzw. müssen, wenn diese Fragen stellen. Ein guter Maßstab ist die Frage selbst: Sie zeigt an, wo das Interesse ihres Kindes hingeht oder wo eventuell eine Sorge ist, wo es Antwort braucht. Texten Sie Ihr Kind nicht zu. Oft reichen wenige Sätze als Antwort aus. Kommen weitere Fragen, so können Sie mehr Informationen anbieten. Wenn nicht weiter gefragt wird, reicht Ihrem Kind die gegebene Antwort vermutlich aus. Signalisieren Sie: Du kannst mich alles fragen, ich hab ein offenen Ohr für dich. Lügen Sie Ihr Kind nicht an und vermitteln Sie in Ihren Antworten Zuversicht und Mitgefühl. Vermitteln Sie nur das, woran Sie selbst glauben.
 

Auch Kinder reagieren

Erschrecken Sie nicht, wenn Ihr Kind auf die aktuelle Situation mit auffälligem Verhalten reagiert. Die Anspannung kann sich sehr unterschiedlich zeigen: Manche Kinder schlafen unruhig und wollen plötzlich wieder ins Elternbett, manche machen Rückschritte in der Toilettenhygiene, andere zeigen ihre Angst in verstärkter Aggressivität, durch ein besonderes Bedürfnis nach Nähe oder durch starken Rückzug.  Solche Reaktionen sind in Belastungssituationen normal und bessern sich meistens, wenn wieder Normalität eintritt. Keinesfalls sollten Sie wegen der Coronakrise bestehende Regeln über Bord werfen oder übertrieben nachsichtig reagieren. Es braucht vielmehr ein „Sowohl-als-auch“: Sie helfen Ihrem Kind einerseits durch eine verständnisvolle Haltung, andererseits durch eine Klarheit in der pädagogischen Haltung. Das heißt zum Beispiel, dass Sie gelassen und nachsichtig auf die eingenässte Hose reagieren, aber dennoch das selbständige Wechseln der Kleidung einfordern und auf dem Toilettengang bestehen.

Beim aggressiven Kind kann das bedeuten, dass Sie bei ständigem Streit mit Geschwistern klar Ihre Regeln benennen („wir schlagen uns nicht“) und Konsequenzen durchsetzen (z.B. kurze Auszeit) aber, dass Sie zu einem späteren Zeitpunkt das Gespräch mit Ihrem Kind suchen und eine Erklärung für sein Verhalten anbieten („Sag, mal, kann es sein, dass die vielen Streitigkeiten, die du gerade mit deiner Schwester hast, etwas damit zu tun haben, dass du dir gerade ganz viele Sorgen machst?“)  Achten Sie auf die Reaktion Ihres Kindes: Reagiert es zustimmend, vielleicht erleichtert, bietet es eine andere Erklärung an? Für Ihr Kind ist es sehr wertvoll, dass Sie mit solch einem Gespräch die Bereitschaft signalisieren, es besser verstehen zu wollen bzw. dass Sie helfen, dass es sich selbst besser verstehen lernt.
 

Für Ausgleich sorgen

Sorgen Sie für schöne Zeiten mit Ihren Kindern. Wenn Sie zurzeit nicht berufstätig sind, nehmen Sie sich täglich Zeit mit ihnen. Spielen Sie gemeinsam, basteln Sie, gehen Sie täglich nach draußen.

Der Oberbergische Kreis hat Ihnen eine Reihe von Beschäftigungsideen für Kinder zusammengestellt, die Sie als Anregungen nutzen können.

Beim Spiel lassen Sie Ihr Kind bestimmen, was gespielt wird. Kinder müssen sich den ganzen Tag nach dem Regiment der Eltern richten, so dass man ihnen für eine Weile beim Spiel ruhig mal das Zepter in die Hand geben darf. Natürlich bedeutet das nicht, dass Sie alles mitmachen müssen.

Wenn Sie in der Öffentlichkeit sind und Ihr Kind das Gebot der körperlichen Distanz vergisst, seien Sie nachsichtig. Je jünger die Kinder sind, umso schwerer wird es Ihnen fallen, daran zu denken.
 

Schularbeiten

Die Kinder erhalten von ihren Lehrern Aufgaben für zu Hause. Die Eltern stehen damit vor der Herausforderung, Ihre Kinder zum täglichen Arbeiten zu bewegen. Das war für viele Eltern schon vor der Coronakrise ein anstrengendes Unterfangen.

Achten Sie auf einen ruhigen Arbeitsplatz ohne Störungen durch Geschwister und Geräuschkulisse.

Die Arbeitsdauer für Ihr Kind sollte die Hälfte der Unterrichtszeit nicht überschreiten. Benötigt Ihr Kind mehr Zeit für die Erledigung der Aufgaben, nehmen Sie Rücksprache mit den Lehrern.

Strukturieren Sie mit Ihren Kind vorab den Ablauf hinsichtlich der Reihenfolge und der Zeitdauer. Hier hat Ihr Kind Mitspracherecht.  

Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie die ganze Zeit neben Ihrem Kind sitzen. Hat sich Ihr Kind schon daran gewöhnt, beginnen Sie damit, kurze Phasen der Eigenarbeit einzufordern und entfernen Sie sich in dieser Zeit.

Denken Sie daran, Ihren Kindern ausreichend Pausen zu ermöglichen. Je jünger das Kind, umso mehr Pausen werden nötig sein.

Denken Sie auch daran, die Arbeitsschritte in kleine, schaffbare Abschnitte einzuteilen und die Anstrengungsbereitschaft Ihres Kindes ausreichend zu würdigen und es zu loben.
 

Handy, Spielkonsole und Co.

Viele Eltern beklagen, dass ihre Kinder zu viel mit Medien beschäftigt sind. Wenn aktuell neben der Schule alle Freizeitaktivitäten flach fallen und Freunde nicht besucht werden dürfen, entsteht viel Langeweile. Einerseits stellen die sozialen Medien eine gute Möglichkeit dar, mit den Freunden und Mitschülern in Kontakt zu bleiben, andererseits verführen sie dazu, sich in der gegenwärtigen Phase noch mehr als sonst mit ihnen zu beschäftigen.

Trotz einer gewissen Großzügigkeit, die in der aktuellen Situation berechtigt sein mag, macht es auch Sinn Regeln für die Nutzung der Medien fest zu legen. Für Spielkonsole und Co. sollten je nach Alter tägliche „Zeitkontingente“ bestehen und auch überprüft werden. Das Handy sollte für Grundschulkinder nicht ganztägig zur Verfügung stehen und gezielt herausgegeben werden. Über Nacht gehört es nicht ins Kinderzimmer. Für Kinder bieten klare Regeln wie „kein Handy bei Tisch“ oder „kein Handy im Wohnzimmer“ eine gute Transparenz. Natürlich spielt es auch eine wichtige Rolle, was Sie Ihren Kindern vorleben: Wenn Ihr Kind sieht, dass Sie selbst den ganzen Tag über Nachrichten in den sozialen Medien lesen oder verschicken, werden Sie kaum glaubhaft Handynutzung einschränken können.
 

Erschreckende Erlebnisse

Leider wird man in diesen Tagen die Kinder nicht gänzlich vor traurigen Erlebnissen und erschreckenden Ereignissen bewahren können. Vielleicht gibt es Todesfälle im nahen Umfeld oder andere aufwühlende Eindrücke.

Bieten Sie in erster Linie Trost, Nähe und Gespräch (ohne auszufragen).

 

Hilfe und Unterstützung

Die Beratungsstellen im Oberbergischen Kreis stehen den Eltern auch in der jetzigen Situation telefonisch oder online zur Verfügung:

Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, Gummersbach
Telefon: 02261  88-5710, oder 88-5711;
E-Mail: pbs@obk.de    

Psychologische Beratungsstelle Herbstmühle, Wipperfürth
Telefon: 02267 3034
Intenet: www.beratung-in-wipperfuerth.de

Beratungsstelle für Erziehungs-, Familien-, Ehe- und Lebensfragen – Haus für alle, Waldbröl
Telefon: 02291 4068
E-Mail: beratungsstelle-hausfueralle@ekir.de

Schulpsychologischer Dienst des Oberbergischen Kreises
Telefon: 02261 88-4060
E-Mail: schulpsychologie@obk.de

Kreisjugendamt Gummersbach
Telefon: 02261 88-5198
E-Mail: kreisjugendamt@obk.de

Känguru, Mobile Familienberatung, Gummersbach
Telefon: 0151 23129384 und 0151 200 42021
E-Mail: schuetz@oberberg.drk.de und schroeder@oberberg.drk.de

 

"Kein Kind alleine lassen" - Informationen des Missbrauchsbeauftragten


 

Plakat für Kinder

Plakat für Erwachsene

Hilfe-Flyer mit Kontaktdaten

Internetseite: www.kein-kind-alleine-lassen.de

 

 

 

 

 



Letzte Änderung: 11. Mai 2020