OBERBERG_FAIRsorgt

Was ist OBERBERG_FAIRsorgt?

OBERBERG_FAIRsorgt ist ein durch den Innovationsfonds des Bundes gefördertes Projekt mit dem Ziel die medizinische und pflegerische Versorgung von pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren im Oberbergischen Kreis zu verbessern. Es sollen sowohl ambulante als auch stationäre Versorgungslücken geschlossen sowie Über-, Unter- und Fehlversorgung vermieden werden. Ziel ist eine vernetzte und damit bedarfsgerechte Leistungserbringung, so dass Pflegebedürftige länger im eigenen Zuhause leben können und Krankentransporte sowie Krankenhausaufenthalte reduziert werden.

Worin liegt die Notwendigkeit des Projektes?

Der Oberbergische Kreis (OBK) ist eine ländliche Region, in welcher das Versorgungsniveau in vielen Bereichen durch stabile familiäre Strukturen unterstützt wird (siehe AOK Pflegereport, 2016). Dennoch kommt es schon heute in bestimmten Kommunen des OBK zu einer defizitären Versorgung. Des Weiteren wird der Kreis aufgrund seiner demografischen Situation und dem drohenden Fachkräftemangel für Medizin und Pflege in absehbarer Zeit weitere Lücken in der Versorgung bekommen, welche sich negativ auf die zukünftige Entwicklung und Attraktivität der gesamten Region auswirken. Hier setzen wir an.

Wie ist die Laufzeit des Projekts?

Im Juli 2019 hat die Vorbereitungsphase des Projektes begonnen, die sich durch Corona länger gestaltet hat als ursprünglich angedacht. Seit April 2021 werden Patientinnen und Patienten versorgt. Geplant sind darüber hinaus weitere 850 Patientinnen und Patienten, die im Januar, April oder Juli 2022 in eine 15- bzw. 12-monatige Versorgung starten. Die Evaluation des Projektes führt die Universität zu Köln durch. Ziel ist es, die Versorgung auch über den Projektzeitraum hinaus zu sichern und im Anschluss in die Regelversorgung zu überführen.

Wer kommt als Projektbegünstigter in Frage?

In dem genannten Zeitraum der Leistungserbringung profitieren AOK-Versicherte ab 65 Jahren aus Oberberg von unserem Projekt, die aufgrund einer chronischen Erkrankung oder eines Pflegerades einer dauerhaften medizinischen und/oder pflegerischen Versorgung bedürfen. Beatmungspatienten können am Projekt nicht teilnehmen.

Worin genau bestehen die neuen Leistungen?

Die OBERBERG_FAIRsorgt Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer profitieren durch folgende Versorgungsmodule von einer verbesserten Versorgung, die immer in Absprache mit dem Hausarzt stattfindet:

  • Durchgehende Projektbegleitung durch einen persönlichen Fallmanager
  • Eingehendes geriatrisches Eingangsassessment
  • Versorgungsplan mit geprüfter Medikation
  • Möglichkeit eines Monitorings
  • Intensive Begutachtung der eigenen Gesundheit durch verschiedene (Fach-)Ärzte, die sich in Fallkonferenzen beraten
  • Kontaktnummer, unter der außerhalb der Sprechzeiten immer ein Arzt erreichbar ist
  • Nutzung der digitalen Plattform, um jederzeit Einsicht in die eigenen Gesundheitsdaten zu haben.

Wie wird das Projekt evaluiert?

  • Die begleitende Versorgungsforschung wird evaluieren, ob die für das Projekt eingeschriebenen Patienten mit Hilfe dieser modularen Dienstleistungsstruktur länger zu Hause leben können und mehr Lebensqualität aufgrund geringerer Morbiditätsfolgen, einem gewährleisteten Rehabilitationsanspruch und einer verbesserten Versorgung im Pflegeheim, empfinden. Nicht nur sollen Behandlungskosten gesenkt, sondern auch die Behandlungsqualität erhöht und Ressourcen (insbesondere personelle) effektiver eingesetzt werden. Insbesondere soll die Zahl der Rettungstransporte und Krankenhausaufenthalte von Altenheimbewohnern signifikant reduziert werden. Diese Qualitätsverbesserungen ermöglichen eine erhöhte Teilhabe der Betroffenen am gesellschaftlichen Leben und bewirken gleichzeitig eine Verlangsamung der Pflegegrad-Kaskade und damit eine Reduktion der Leistungszahlen.

  • Neben einer umfassenden Evaluation soll im Projekt bereits der Transfer des Versorgungsnetzwerkes konzipiert und ein Fahrplan zum Rollout in andere Teile der Region erstellt werden. Ein weiterer Transfer über die herausragende Auszeichnung als Referenzstandort „Integrierte Versorgung“ auf europäischer Ebene „EIP on AHA“ in andere Staaten der Europäischen Union ist möglich.

  • Die Grundlage für ein zielgerichtetes Vorgehen zur erfolgreichen Durchführung des Projektes sind neben der Einbeziehung von Gesundheitsdaten der Krankenkassen insbesondere die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Gesundheitsberichterstattung des öffentlichen Gesundheitsdienstes im OBK. Darüber hinaus kann auf die Expertise der Konsortialpartner (AOK Rheinland/Hamburg, der kommunaler Rettungsdienst, das Gesundheits- und Sozialamt, das Klinikum Oberberg sowie die Akademie für Gesundheitswirtschaft und Senioren, in welcher die Ausbildung für Pflegekräfte und Notfallsanitäter stattfindet) zurückgegriffen werden. Weitere Akteure, die in kommunalen Konferenzen vertreten sind, insbesondere die Kassenärztliche Vereinigung, der Hausärzteverband und Vertreter der Pflegebranche werden in das Projekt als Kooperationspartner einbezogen.



Letzte Änderung: 29. September 2021