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20.01.2026: Oberbergischer "Klimagipfel": Vielseitige Veranstaltung des Kreises stieß auf großes Interesse
Veranstaltungsformat "Klima.Wandel.Anpassung" gab Einblicke, wie sich die Menschen im Oberbergischen Kreis auf klimatische Veränderungen einstellen können
Oberbergischer Kreis. Vielseitig, informativ und unterhaltsam: unter dieser Maßgabe hat der Oberbergische Kreis zwei Veranstaltungen organisiert, in denen Kreis, Kommunen, Klimafachleute und Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen die Herausforderungen des Klimawandels und mögliche Anpassungsmöglichkeiten vorgestellt haben. Grundlage dafür ist das "Interkommunale Klimawandelanpassungskonzept" (KWAK), das die Kreisverwaltung gemeinsam mit den 13 oberbergischen Kommunen und Fachstellen erarbeitet hat. Es dokumentiert den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel, den Auswirkungen auf den Oberbergischen Kreis und beinhaltet entwickelte Anpassungsmaßnahmen an die unabwendbaren Folgen, z.B. zunehmender Hitzetage oder anhaltende Trockenphasen.
"Koordinieren, informieren, sensibilisieren"
Wie stark das Interesse daran ist, wurde anhand der ausgebuchten und darüber hinaus stark nachgefragten Veranstaltung, mit einem fach-öffentlichen und einem öffentlichen Teil, deutlich, wie Landrat Klaus Grootens bei der Eröffnung der Veranstaltung betonte: "Denn Klimawandelanpassung ist keine rein verwaltungsinterne oder akademische Aufgabe, sondern eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe." Daher sei es wichtig, "dass die Inhalte des Konzeptes verständlich, transparent und zugänglich sind", so Klaus Grootens. "Unser Klimawandelanpassungskonzept verfolgt dabei ein klares Ziel: Lebensqualität erhalten, Risiken mindern und Vorsorge treffen – für heute und für kommende Generationen."
Der Oberbergische Kreis kann dabei nicht alles selbst umsetzen, sondern müsse vor allem koordinieren, informieren, sensibilisieren, Akteure vernetzen und Unterstützung sowie Fördermöglichkeiten organisieren. "Entscheidend ist jedoch, dass Klimawandelanpassung nur dann gelingt, wenn viele mitwirken: Kommunen, Unternehmen, Vereine – und jede und jeder Einzelne.", sagte Landrat Klaus Grootens.
Prominente und unterhaltsame Unterstützung leistete der ARD-Meteorologe Donald Bäcker. In seinem Vortrag "Ist ja bloß Wetter - oder doch Klimawandel" referierte der Wettermoderator über Wetterphänomene, deren Zusammenhänge und die Bedeutung des Klimawandels. Das Klima sei über die Jahrtausende hinweg betrachtet "nie stabil gewesen", doch es gebe immer mehr Extremwetterereignisse in immer kürzeren Abständen, die sich nur noch durch den menschengemachten Klimawandel erklären lassen. Auf den Oberbergischen Kreis bezogen hat Donald Bäcker festgestellt, dass die Temperatur bei uns im Jahresdurchschnitt seit den 1950er-Jahren bis in die 2010er-Jahre hinein, von 8,2 auf 9,9 Grad angestiegen ist. Der Meteorologe geht davon aus, dass zukünftig weniger Regen im Sommer fallen wir, es dafür im Winter aber mehr regnen wird und die Wahrscheinlichkeit für Starkregenereignisse wie 2021 ebenfalls steigt.
Die Notwendigkeit, daraus Anpassungsmaßnahmen abzuleiten, um Schäden zu verringern und die Widerstandsfähigkeit für unsere Region zu stärken, zeigte Umweltdezernent Frank Herhaus anhand der Ergebnisse der Interkommunalen Klimawandelanpassungskonzepts auf.
Kreisweite Analysen zur zukünftigen Hitzebelastung sowie zur nächtlichen Kaltluftbildung stellen neben dem Starkregenrisikomanagement, das der Kreis im Mai 2025 mit den Kommunen abgeschlossen hat, die zentralen Planungsgrundlagen für Klimaanpassungsmaßnahmen dar. Aufbauend auf den wissenschaftlichen Ergebnissen wurden Betroffenheiten für 14 Themengebiete, immer mit besonderem Blick auf vulnerable Gruppen wie z.B. Menschen höheren Alters mit Vorerkrankungen und Menschen, die im Freien arbeiten, ermittelt. Zu den Themenfeldern zählen beispielsweise die Gesundheit, der Wald, Wasser und Gewässer oder die Oberbergische Wirtschaft. Im Ergebnis wurden 13 Maßnahmen für den Kreis sowie individuelle Maßnahmen für jede Kommune im Oberbergischen Kreis erarbeitet. Ein Beispiel dafür ist die Entsiegelung und Begrünung von Schulhöfen, für die Bereits die Stadt Bergneustadt erfolgreich Fördermittelt für das Projekt "Coole Schulhöfe 2.0" einwerben konnte.
Neben dem Kreis und den Kommunen sind auch viele weitere Akteure gefragt, Klimaanpassungsmaßnahmen umzusetzen. Sei es die klimaangepasste Wiederbewaldung, die alle Waldbesitzer umtreibt oder eine angepasste Talsperrenbewirtschaftung, die die Wasserverbände vor Herausforderungen stellt, auch zukünftig stets genügend Trink- und Brauchwasser bereitstellen zu können und gleichzeitig genügend Stauraum vorzuhalten, um im Starkregenfall ausreichend Wasser auffangen zu können.
Selbstvorsorge treffen
Bei einer abschließenden Gesprächsrunde zum Thema „Klimawandelanpassung im eigenen Umfeld“, informierten der Meteorologe Donald Bäcker; Dr. Uwe Moshage, Aggerverband; Julian Seeger, Leiter des Amtes für Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz und Kreisbrandmeister; Christine Wosnitza, Biologische Station Oberberg und Julia Wäger, Projektagentur Oberberg GmbH über konkrete Anpassungsmaßnahmen, die Bürgerinnen und Bürger betreffen.
Das Fazit der Expertenrunde: Neben den vielen abgestimmten Maßnahmen in einem Katastrophenschutzbedarfsplan, mit Institutionen und Einrichtungen (Feuerwehren, THW, DRK ...), ist es wichtig, dass auch Bürgerinnen und Bürger ihre Möglichkeiten an Vorsorgemaßnahmen ergreifen: beispielsweise Wetter-Warn-Apps zu installieren, ein batteriebetriebenes Radio anzuschaffen um - unabhängig vom Stromnetz - Informationen und Verhaltensmitteilungen bei Unwetterlagen zu empfangen. Für Christine Wosnitza gibt es im eigenen Umfeld bereits viele kleine hilfreiche Maßnahmen zu ergreifen: Regenwasserspeicher im Garten zu installieren, möglichst wenig Flächen zu versiegeln und durch überlegtes Anpflanzen von Stauden und Sträuchern die Feuchtigkeit im Garten zu halten, damit auch im Sommer eine natürliche Kühlung der Umgebung stattfindet. Neben dieser Selbstfürsorge berichtete Dr. Uwe Moshage (Aggerverband) über Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zur Wasserversorgung, beziehungsweise zum Schutz vor Hochwasser durch (steuerbare) Wasserrückhaltebecken. Auch Kreisbrandmeister Julian Seeger betonte, wie gut bereits heute abgestimmte Katastrophenschutzpläne im Oberbergischen Kreis greifen und hob die Bedeutung der vielen ehrenamtlich Engagierten hervor.
Auf Selbstfürsorge und Vorsorgemaßnahmen des Einzelnen zielte auch der Markt der Möglichkeiten ab. Hier konnte sich das interessierte Publikum über praxisnahe Maßnahmen informieren.
Im fach-öffentlichen Teil tauschten sich Experten zu konkreten Handlungsmaßnahmen auf Landes-, Regional- und Kommunalebene aus. Prof. Dr. Anke Schmidt, Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern Landau (RPTU) stellte beispielsweise das Projekt „LAND(WIRT)SCHAFTsWANDEL“ vor. Es erforscht, wie sich landwirtschaftliche Betriebe im Oberbergischen Kreis unter den veränderten Bedingungen des Klimawandels nachhaltig entwickeln können. Pauline Rothstein, Wirtschaftsförderung des Oberbergischen Kreises, zeigte auf, wie der Kreis die obergischen Unternehmen dabei unterstützen kann, klimaresilient zu werden. So sollen unter anderem kostenfreie Beratungsprozesse angeboten werden, in denen konkrete, auf das jeweilige Unternehmen bezogene Klimawandelanpassungsmaßnahmen entwickelt werden. Wie Anpassungen an den Klimawandel in einer Kommune erfolgen können, machte Sabine Nockemann-Hameran, Gemeinde Engelskirchen, deutlich. Sie ist die derzeit einige kommunale Klimaanpassungsmanagerin, die, unterstützt durch Fördermittel des Bundes, in den kommenden Jahren zahlreiche Klimaanpassungsmaßnahmen in Engelskirchen umsetzen kann.
Alle Referentinnen und Referenten haben aufgezeigt, dass bereits auf vielen Ebenen und für und mit unterschiedlichen Zielgruppen am Thema Klimawandelanpassung im Oberbergischen Kreis intensiv gearbeitet wird.
Institutionen, die an der Veranstaltung mitgewirkt haben:
- Aggerverband
- Biologische Station Oberberg und die Bergische Agentur für Kulturlandschaft
- Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
- LEADER-Regionen „Bergisches Wasserland“ und „Oberberg: 1000 Dörfer – eine Zukunft“
- Naturgarten e.V. Regionalgruppe Bergisches Land
- Netzwerk Klimaanpassung und Unternehmen.NRW
- Oberbergische Kommunen
- Oberbergischer Kreis
- Region Köln Bonn e.V.
- Wupperverband
- Sparkassen in Oberberg
Weitere Informationen zum Klimwandelanpassungskonzept (KWAK) des Oberbergischen Kreises erhalten Interessierte auf: www.obk.de/kwak
Erläuterung des Starkregenrisikomanagements gibt es auf www.obk.de/starkregen.
Von dort ist auch eine Verlinkung auf die Starkregengefahren- und -risikokarten in RIO möglich
im Portal RIO sind die Karten über https://rio.obk.de unter der Anwendung „Starkregen“ abrufbar.
Letzte Änderung: 20. Januar 2026

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