09.04.2026: Burgenforscher untersucht Geheimnisse von Schloss Homburg

Dr. Joachim Zeune erforscht die Bauphasen der über 1000-jährigen Geschichte des oberbergischen Wahrzeichnens

Oberbergischer Kreis. Ein markanter Wandel von Schloss Homburg erfolgte zuletzt 2014: nach vierjährigen Umbauarbeiten präsentierte sich Schloss Homburg als moderner Museums- und Ausstellungsort mit attraktiven Räumen für besondere Veranstaltungen und ganzjährige Angebote. Diese neue bauliche und konzeptionelle Ausrichtung von Schloss Homburg gilt als ein "Meilenstein".
Auf seine über 1000-jährige Geschichte bezogen, ist diese Bauphase allerdings nur eine von vielen in der Entwicklung der Gesamtanlage. Neue Erkenntnisse darüber möchte der Oberbergische Kreis mit Unterstützung von Dr. Joachim Zeune gewinnen, der das bundesweit einzige Büro für Burgenforschung unterhält. "Wir möchten die Wissenslücken aus der langen Geschichte des Schlosses schließen", sagt Kulturamtsleiter Steffen Müller. Das Interesse des Burgenforschers daran hatten bereits Drohnenfotos von Schloss Homburg geweckt, die Dr. Joachim Zeune von einem Bekannten erhalten hatte. Nach ersten Gesprächen mit dem Team um Kuratorin Dr. Birgit Langhanke, hat der Wissenschaftler vor sechs Monaten seine Forschungstätigkeit zur Baugeschichte von Schloss Homburg aufgenommen.

Zum Forschungsteam zusammengewachsen: Der renommierte Burgenforscher Dr. Joachim Zeune, (2.v.l.) und sein Sohn und Assistent Jakob Zeune (4.v.l.) sind begeistert von der guten Unterstützung ihrer Arbeit durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schlosses, Paul Kostial (l.), Kulturamtsleiter Steffen Müller (3.v.l.), Kuratorin Birgit Langhanke und Volontärin Celina Morfidis. (Foto: OBK)
Zum Forschungsteam zusammengewachsen: Der renommierte Burgenforscher Dr. Joachim Zeune, (2.v.l.) und sein Sohn und Assistent Jakob Zeune (4.v.l.) sind begeistert von der guten Unterstützung ihrer Arbeit durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schlosses, Paul Kostial (l.), Kulturamtsleiter Steffen Müller (3.v.l.), Kuratorin Birgit Langhanke und Volontärin Celina Morfidis. (Foto: OBK)

Suche nach Erkenntnissen in Bauzeichnungen, Steinen, Mörtel und Fotos   

Der Archäologe und Kunsthistoriker gilt als Koryphäe im Bereich der Burgenforschung und arbeitet sich, mit Unterstützung der Mitarbeitenden von Schloss Homburg, begeistert in den Gesamtkomplex ein: "Durch den Bereich der Burgküche von Schloss Homburg verlief einst eine Ringmauer und die ging quer durch das gesamte Gebäude. Zu dieser Zeit befand sich die Küche an einem anderen Ort.", erklärt der Forscher. Auch der markante 'Bergfried' hat vermutlich eine andere Funktion erfüllt. Es könnte sich nach Meinung Dr. Zeunes um einen Treppenturm handeln, der ursprünglich Zugang zu den Räumen des abgebrochenen Südflügels ermöglichte. Schriftliche Hinweise aus dem 16. Jahrhundert, die Pläne zum Bau dieses Turmes dokumentieren, lassen entsprechende Rückschlüsse zu. 

Wichtige Indizien zur Datierung einzelner Gebäudeteile liefern dem Wissenschaftler die Schießscharten im Westbau des Schlosses, der nicht - wie bislang angenommen - auf das 12. oder 13. Jahrhundert zurückgeht. Dr. Zeune ist vielmehr davon überzeugt, dass die Schießscharten dort bereits zur Nutzung von Hakenbüchsen konzipiert waren und damit erst aus dem 15. Jahrhundert stammen. Die Schießscharte in der Wand zur heutigen Burgküche weist auf die hier früher verlaufende Ringmauer hin.

In der Burgküche von Schloss Homburg ist der Historiker Dr. Joachim Zeune auf einige bauliche Besonderheiten gestoßen, die Rückschlüsse auf frühere Gebäudeteile geben. (Foto: OBK)
In der Burgküche von Schloss Homburg ist der Historiker Dr. Joachim Zeune auf einige bauliche Besonderheiten gestoßen, die Rückschlüsse auf frühere Gebäudeteile geben. (Foto: OBK)

Die Baugeschichte von Schloss Homburg wird neu geschrieben

Die historische Bauforschung ist faszinierend und mühsam zugleich, wie Burgenforscher Dr. Joachim Zeune erklärt. Es gibt Berichte früherer Forschungsarbeiten zu Schloss Homburg, mit abweichenden Ergebnissen und Widersprüchen. Davon müsse man sich als Wissenschaftler frei machen, völlig unbefangen auf diese Schlossanlage blicken und nach belastbaren Indizien suchen. Jedes noch so kleine Fundstück kann wichtige Ergebnisse liefern, wie beispielsweise ein Stein in Dreiecksform, der als Sturz in einem Gewölbekeller des Schlosses eingesetzt wurde und möglicherweise von dem romanischen Wohnturm stammt, dessen Fundamente 1999 ausgegraben wurden.
Gemeinsam mit seinem Sohn Jakob Zeune, der als Student der Kunstgeschichte und Geschichte während der Semesterferien bei den Forschungsarbeiten assistiert, arbeitet Dr. Joachim Zeune aktuell an einigen "Putzfenstern" in einem Nebenraum der Burgküche. Gemeinsam haben sie an mehreren Wänden jeweils ein Stück Mauerwerk freigelegt, um die Beschaffenheit und den Verlauf der jeweiligen Fugen abzugleichen und so die zeitliche Einordnung einzelner Gebäudeteile vorzunehmen.

Wissenschaftliche Untersuchungen führt Dr. Joachim Zeune mit Hilfe sogenannter "Putzfenster" durch. Dazu wird das Mauerwerk an einer markanten Stelle in der Wand freigelegt. (Foto: OBK)
Wissenschaftliche Untersuchungen führt Dr. Joachim Zeune mit Hilfe sogenannter "Putzfenster" durch. Dazu wird das Mauerwerk an einer markanten Stelle in der Wand freigelegt. (Foto: OBK)

Im "Gartenzimmer" haben sich die Burgenforscher ein Büro eingerichtet, in dem sich Pläne, Skizzen Fotos und weitere Aufzeichnungen und Dokumente stapeln. "Die Unterstützung des gesamten Teams von Schloss Homburg, vornehmlich durch den Überblick von Dr. Birgit Langhanke über das Objekt und die Literatur, ist einzigartig", betont der erfahrene Historiker Dr. Joachim Zeune. 

Historische Aufnahmen, Zeichnungen und (hand-)schriftliche Dokumente von Schloss Homburg werden ausgewertet, um weitere Erkenntnisse zur Baugeschichte der Gesamtanlage zu erhalten. (Foto: OBK)
Historische Aufnahmen, Zeichnungen und (hand-)schriftliche Dokumente von Schloss Homburg werden ausgewertet, um weitere Erkenntnisse zur Baugeschichte der Gesamtanlage zu erhalten. (Foto: OBK)

"Schloss Homburg ist eines der Wahrzeichen des Oberbergischen Kreises, das es weiterhin zu erforschen gilt. Zur Klärung der Baugeschichte sind Untersuchungen an den noch bestehenden Gebäudeteilen erforderlich. Sie sollen Auskunft über die zeitliche Abfolge der vielen verschiedenen Bauphasen von Schloss Homburg geben. Die Erkenntnisse darüber sind wiederum im Zusammenhang mit den vorangegangenen Grabungsergebnissen zu betrachten, etwa die Entdeckung von Fundamenten eines großen Wohnturms im Jahre 1999, der zu Korrekturen in der Datierung der baulichen Entwicklung führte. Mit dem Burgenforscher Dr. Joachim Zeune hat der Oberbergische Kreis einen renommierten Fachmann gewonnen, der sich dieser spannenden Bauforschung widmen wird, um neue und genauere Erkenntnisse über unser Schloss zu gewinnen.“, sagt Felix Ammann, Kreisdezernent für Bauen, Geoinformation und Kultur. 

Die Forschungsergebnisse sollen auch für Bürgerinnen und Bürger sichtbar werden
   
Die Finanzierung für die Erforschung der Baugeschichte von Schloss Homburg erfolgt ausschließlich aus Kreismitteln. Je nach Aufwand der wissenschaftlichen Arbeiten könnten zusätzlich Fördergelder des Landes beantragt werden. „Wir wollen Forschung lebendig machen“, sagt Dr. Birgit Langhanke. Die Forschungsergebnisse von Dr. Zeune und seinem Team sollen deshalb nach und nach in die Ausstellung aufgenommen und so auch Besucherinnen und Besuchern zugänglich werden.

Weitere Informationen auf www.schloss-homburg.de.



Letzte Änderung: 09. April 2026