10.07.2026: Hochwasserschutz und Überflutungsvorsorge – Gemeinsam vorbereitet für den Ernstfall

Die Kreisverwaltung informiert monatlich zum Thema Notfallvorsorge. Diesmal geht es um den Hochwasserschutz und die Überflutungsvorsorge aus Behördensicht und als gemeinschaftliche Aufgabe.

Oberbergischer Kreis. Das verheerende Hochwasser im Juli 2021 liegt inzwischen fünf Jahre zurück. Die außergewöhnlich intensiven und großflächigen Niederschläge richteten auch im Oberbergischen Kreis erhebliche Schäden an. Zahlreiche Einsatzkräfte von Feuerwehren, Hilfsorganisationen und weiteren Behörden waren über Tage im Einsatz. Einsatzschwerpunkt waren der Kreis-Norden in den Stadtgebieten Hückeswagen und Wipperfürth. Aber auch in Gummersbach, Lindlar und Engelskirchen sorgten die starken Regenfälle damals für Überflutungen. 

„Diese Erfahrungen haben gezeigt, dass wir uns auf extreme Wetterereignisse einstellen müssen und wie wichtig eine umfassende Vorbereitung ist. Deshalb investieren wir gemeinsam mit unseren Städten und Gemeinden, den Feuerwehren, Hilfsorganisationen und vielen weiteren Partnern kontinuierlich in den Bevölkerungsschutz", sagt Landrat Klaus Grootens.

Katastrophenschutzpläne fortschreiben

Bereits vor einer gesetzlichen Verpflichtung erstellte der Oberbergische Kreis einen Katastrophenschutzbedarfsplan, der 2024 vom Kreistag beschlossen wurde. Darin werden unterschiedliche Schadenslagen - darunter auch Hochwasser- und Starkregenereignisse - betrachtet und konkrete Maßnahmen für den Bevölkerungsschutz abgeleitet.

Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Die Kommunen bauten das kreisweite Sirenennetz weiter aus. Der Oberbergische Kreis beteiligt sich regelmäßig an den landesweiten und bundesweiten Warntagen und informiert über Warnsignale sowie Handlungsempfehlungen. Seit 2023 ergänzt Cell Broadcast die bestehenden Warnsysteme. Zudem kann die Feuer- und Rettungsleistelle des Kreises Warnmeldungen über Radio Berg verbreiten.

Auch das Krisenmanagement steht im Fokus. Alarmierungsschwellen und Führungsstrukturen wurden überprüft und nachgeschärft. Die Kommunikationswege zwischen Kreis und Kommunen wurden unter anderem durch Satellitentelefone gestärkt sowie moderne IT-Systeme für den Führungs- und Krisenstab beschafft. Diese ermöglichen ein verbessertes Lagebild und georedundantes Arbeiten. Ergänzt wird dies durch die stärkere Einbindung von Fachberaterinnen und Fachberatern im Führungsstab sowie regelmäßige Austauschformate mit den kreisangehörigen Kommunen.

Birgit Hähn, Dezernentin für Sicherheit und Ordnung, macht deutlich: „Katastrophenschutz ist kein starres System, sondern entwickelt sich beständig weiter. Unsere Planungen schreiben wir daher kontinuierlich fort und passen sie an neue Erkenntnisse und Entwicklungen an."

Übungen und Ausstattung

Regelmäßige Übungen bilden einen weiteren Schwerpunkt der Vorbereitung. Der Führungsstab des Oberbergischen Kreises trainiert seine Abläufe monatlich und zusätzlich im Rahmen größerer Übungen. Hochwasserszenarien werden unter anderem am Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen in Münster geübt. Darüber hinaus werden die Feuerwehren im Oberbergischen Kreis gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk im Bereich Hochwasserschutz und Deichverteidigung ausgebildet.

Parallel baut der Oberbergische Kreis seine Ausstattung für den Katastrophenschutz kontinuierlich aus. Hierzu zählen ein neues Katastrophenschutzlager mit einem Logistikfahrzeug sowie umfangreicher Materialvorhaltung sowie die Beschaffung eines Utility Task Vehicles (UTV) für die Lageerkundung. Weitere Spezialtechnik befindet sich in der Vorbereitung.

Auch die Hilfsorganisationen werden durch neue Ausstattung und gezielte Förderung unterstützt. So konnten unter anderem die Strömungsretterinnen und Strömungsretter der DLRG mithilfe des Landes Nordrhein-Westfalen mit neuer Spezialausstattung ausgestattet werden.

Regionale Zusammenarbeit

Hochwasser und Starkregen machen nicht an kommunalen Grenzen halt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt deshalb auf der Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg. Der Oberbergische Kreis engagiert sich gemeinsam mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis, dem Rhein-Sieg-Kreis, dem Rheinisch-Bergischen Kreis, den Städten Leverkusen, Remscheid, Solingen und Wuppertal sowie dem Agger- und Wupperverband in der Kooperation „Überflutungsvorsorge an Agger und Wupper“.

„Die Zusammenarbeit über kommunale Grenzen hinweg hilft dabei, Ressourcen effizient einzusetzen und die gesamte Region besser auf zukünftige Ereignisse vorzubereiten“, sagt Frank Herhaus, Dezernent für Planung, Regionalentwicklung und Umwelt.

Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung

Neben der Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes setzt der Oberbergische Kreis auf die Stärkung der Selbsthilfefähigkeit. Mit regelmäßigen Informationen zur Notfallvorsorge in den Sozialen Medien und an die Presse, Informationsveranstaltungen an der VHS Oberberg und dem Pilotprojekt „Katastrophenschutz macht Schule“ möchte die Kreisverwaltung Bürgerinnen und Bürger für die Notfallvorsorge im privaten Bereich sensibilisieren.

„Ein wirksamer Schutz gelingt nur im Zusammenspiel von Behörden, Einsatzkräften und einer gut vorbereiteten Bevölkerung. Unsere Einsatzkräfte trainieren solche Szenarien regelmäßig. Dennoch gilt: Bei großflächigen Schadenslagen kann nicht überall gleichzeitig Hilfe geleistet werden. Deshalb sollte jede und jeder prüfen, ob das eigene Zuhause durch Starkregen oder Hochwasser gefährdet sein könnte und entsprechende Vorbereitungen treffen", macht Landrat Klaus Grootens deutlich. 

Das persönliche Risiko anhand von Kartenmaterial einschätzen

Die Starkregen- und Hochwasserkarten des Oberbergischen Kreises im Geodatenportal „Raum-Information Oberberg (RIO)“ unter www.obk.de/rio helfen dabei, das persönliche Risiko adressscharf einzuschätzen. Kreisbrandmeister Julian Seeger gibt konkrete Empfehlungen, um das eigene Zuhause zu schützen: "Sinnvoll sind eine Rückstauklappe zum Schutz vor eindringendem Abwasser, mobile Schutzsysteme wie Sandsäcke, die Sicherung von Heizöltanks gegen Aufschwimmen sowie die Lagerung wichtiger Dokumente und wertvoller Gegenstände in höher gelegenen Bereichen des Hauses." Sinnvoll sei es auch Warn-Apps wie NINA oder KATWARN sowie die Meine-Pegel-App auf dem eigenen Handy zu installieren und einzurichten, um im Ernstfall gewarnt zu werden. 
 

 

Weiterführende Informationen

 

  • Karten zu Hochwasser-, Überschwemmungs- und Starkregengefahren im Geodatenportal „Raum-Information Oberberg (RIO)“ im Bereich "Klima, Natur und Umwelt":
    www.obk.de/rio
     
  • Hochwasserportal NRW mit aktuellen Pegelständen und hydrologischen Lageberichten: www.hochwasserportal.nrw.de

  • Apps für iOS und Android:
    NINA, KATWARN, Meine Pegel

  • Web-App zur Risikoermittlung für das eigene Zuhause:
    hochwasser-app.nrw

  • Ratgeber "Vorsorgen für Krisen und Katastrophen" des Bundes:
    www.bbk.bund.de

  • Informationen des Oberbergischen Kreises zur Notfallvorsorge:
    www.obk.de/notfall-info

  • Informationen zum kreisweiten Starkregenrisikomanagement:
    www.obk.de/starkregen

  • Informationen zur Kooperation „Überflutungsvorsorge an Agger und Wupper“: www.kooperation-agger-wupper.de

Archivbild: Hochwasser an einer Tankstelle in Hückeswagen. (Foto: OBK)
Archivbild: Hochwasser an einer Tankstelle in Hückeswagen. (Foto: OBK)
Ein Notvorrat ist im Ernstfall hilfreich. Bei der Blaulichtmeile 2022 entlang der Aggertalsperre stellte der Oberbergische Kreis einen solchen Vorrat aus. (Foto: OBK)
Ein Notvorrat ist im Ernstfall hilfreich. Bei der Blaulichtmeile 2022 entlang der Aggertalsperre stellte der Oberbergische Kreis einen solchen Vorrat aus. (Foto: OBK)


Letzte Änderung: 10. Juli 2026