27.07.2026: Vom Prototyp in die Praxis

Neue App unterstützt pflegende Angehörige im Oberbergischen Kreis.

Oberbergischer Kreis. Im Oberbergischen Kreis startet am 27. Juli 2026 die Pilotierung des digitalen Unterstützungssystems TeReS für pflegende Angehörige. Das System verbindet eine App für Angehörige mit einem KI-gestützten Beratungstool für Senioren- und Pflegeberatungsstellen. Zunächst nehmen die Beratungsstellen in Bergneustadt, Gummersbach und Lindlar an der Erprobung teil – aber alle Bürgerinnen und Bürger aus den 13 Städten und Gemeinden des Oberbergischen Kreises können sich per App beraten lassen.

Die App soll pflegende Angehörige frühzeitig und niederschwellig mit Pflegewissen versorgen und auf passende Unterstützungs- und Entlastungsangebote aufmerksam machen. Nutzerinnen und Nutzer erfassen per App ihre aktuelle Pflegesituation und erhalten Hinweise auf geeignete Hilfen. Die Angaben werden anonym an die beteiligten Beratungsstellen übermittelt. Dort unterstützt ein Beratungstool die Fachkräfte dabei, den Unterstützungsbedarf zu strukturieren und passende regionale Angebote zu empfehlen. Die persönliche Beratung bleibt dabei zentraler Bestandteil des Angebots.

„Digitale Technologien können die persönliche Beratung nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels suchen wir nach Lösungen, die unsere Beratungsstellen entlasten und gleichzeitig den Zugang zu Unterstützung für pflegende Angehörige erleichtern“, sagt Christine Prinz, fachliche Koordinatorin der Senioren- und Pflegeberatungsstellen des Oberbergischen Kreises.

Die meisten pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause versorgt – überwiegend durch Angehörige. Für sie ist die Pflege häufig mit erheblichen zeitlichen, körperlichen und psychischen Belastungen verbunden. Entlastungsangebote wie Pflegekurse, Alltagshilfen, Tages- oder Kurzzeitpflege sowie Selbsthilfegruppen werden jedoch oft erst genutzt, wenn die Belastung bereits hoch ist. In Nordrhein-Westfalen lebten 2024 rund 1,39 Millionen pflegebedürftige Menschen, etwa 87 Prozent von ihnen werden zu Hause versorgt.

„Der Oberbergische Kreis bietet in seinenm etablierten Beratungsnetzwerk sehr gute Voraussetzungen für die Erprobung unseres Systems. Besonders wertvoll ist die enge Zusammenarbeit mit den Beraterinnen vor Ort, die ihre Erfahrungen kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Anwendung einbringen“, sagt Martina Thelen, Geschäftsstellenleitung des Gesundheitsregion KölnBonn e. V. Der Oberbergische Kreis ist seit 2009 Mitglied des Vereins, der die Pilotregionen im Projekt begleitet.

Die wissenschaftliche Evaluation übernimmt das Institut für Pflegewissenschaft der Universität zu Köln. Entwickelt wurde das System gemeinsam mit dem gewi-Institut für Gesundheitswirtschaft e. V. und der NursIT Institute GmbH. Die dreimonatige Pilotierung findet parallel auch in der Stadt Köln statt.

Menschen, die Angehörige zu Hause unterstützen oder pflegen, können die App ab dem 27. Juli über den App-Store herunterladen, testen und ihre Erfahrungen im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitstudie einbringen. Die Bereitstellung der App im Google Playstore folgt in den kommenden Tagen.

Das Forschungsprojekt TeReS läuft bis Juni 2027 und wird vom Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln des EFRE/JTF-Programms NRW im Rahmen des Förderaufrufs „Gesünder.IN.NRW“ gefördert.


Weitere Informationen: www.teres.care
Kontakt: 

Die Pilotierung des digitalen Unterstützungssystems TeReS ist gestartet. (Foto: OBK)
Die Pilotierung des digitalen Unterstützungssystems TeReS ist gestartet. (Foto: OBK)


Letzte Änderung: 27. Juli 2026